Der Schlachtbrief der Morgarten-Gedenkfeier

Seit 1940 wird vom Leiter der Pfarrei in Sattel, als Teil der Gedenkfeierlichkeiten, der Schlachtbrief verlesen. Verfasst wurde der Text von Pater Rudolf Henggeler, dem späteren Archivar des Klosterarchivs Einsiedeln. Die handschriftliche Fassung stammt von Pater Bernhard Flüeler. Das Buch wird im Sattler Pfarreisekretariat aufbewahrt und am Tag der Gedenkfeier vom Pfarreileiter mitgenommen.

Die Festredner tragen sich jeweils in eine Liste im Buch ein. Ausführliche Informationen zum Schlachtbrief finden sich in den Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz von 2015 (Heft 107) im Beitrag von Andréa Kaufmann.

›› Der Schlachtbrief, Auf den Spuren eines Schriftstücks (pdf)


Andächtige in Christo dem Herrn versammelte!

Uf hüt begeht man Jahreszeit und Gedächtnis aller redlichen Eidgenossen, unserer lieben Altfordern, so zur Errettung des Vaterlandes, Vertreibung der Tyrannei, und wohlhergebrachten freyen Standes willen, männlich ihr Lyb und Leben dargesetzt und ihr Blut ritterlich vergossen haben.

Jnsonderheit ist zu wüssen, dass in dem Jahr, als man zählt nach der Geburt Christi unseres Herrn und Seligmachers dryzehnhundert und fünfzehn Jahr, am nächsten Samstag nach sant Martis Tag, sich die Herrschaft von Österreich erhoben hat, mit grossem Zug diese Landschaft Schwyz zu überfallen und unter ihr Gewalt zu bringen: und zog für Egeri uf an den Morgarten, da sie vermeinten, in das Land zu kommen.

Also wurden die Landlüt gewarnet zu Arth an der Letzy durch einen Herren von Hünenberg, der die Warnig an einen Pfyl gab geschrieben: Also wheret am Morgarten. Uf das zogen unsere Landlüt dahin und sind ihnen die von Unterwalden mit dryhundert Mannen zuzogen und die von Uri desglychen und hand sie mit der Hilf Gottes ihre Fynd tapferlich überwunden und geschlagen, und in den See und für Wil-Egeri niden gejagt.

Und sind umkommen von den unseren sieben Mann, deren Namen man nicht kennt, die aber Gott wohl weiss, von Uri aber fünf Mann, als da waren Herr Heinrich von Hospental, Ritter Kuonrad von Beroldingen, Rüedi Fürst, Kuonrad Löry und Welty Semann, von Unterwalden aber Heini Wipfly und Peter im Dorf von Stans: von den Fynden aber wurden fünfzehnhundert Reisig erschlagen und dryhundert und fünfzig Sättel gelärt des Adels.

Unsere liebe Frau und alle andern Heiligen Gottes helfet uns anruoffen und bitten, dass Gott der almächtige, das liebe Vaterland vor allen Fynden behüete und alles, was uns nutz und wohl kumbt zu Seel und Lyb gnediglich beschütze und den biderben Sinn unserer Altfordern in uns bewahre.

Gott der Allmächtige aber möge solcher und aller derjenigen Seelen gnädig sin, so um der Er Gottes, Erhaltung des christlichen Glaubens und um gemeiner Eidgenossenschaft Nutz und Heil willen in fremden und eigenen Kriegen umkommen sind, deren Namen Gott allein weiss. Diesen und allen christgläubigen Seelen zu Trost und Hilf lasset uns beten fünf andächtige Vater unser und Ave Maria und das beschliessen mit dem heiligen christlichen Glauben.

Verfasst von P. Rudolf Henggeler OSB (1940)