Die Morgartengedenkfeier am 15. November

Die jährliche Gedenkfeier

Die heutige Bedeutung des Ereignisses von 1315

Der Schlachtbrief

Das Morgartenschiessen 300m

Das Morgarten-Pistolenschiessen

Die jährliche Gedenkfeier

Am Tage vor St. Othmar

Im Mittelpunkt der Morgartenschlachtfeier steht das Jahrzeit, das Gedächtnis an die Gefallenen vom
15. Nov. 1315. Das Anniversarium wurde allerdings in der Pfarrkirche Sattel und nicht in der 1501 erstmals erwähnten Kapelle auf der Schornen gehalten.
Das 19. Jahrhundert brachte die Entwicklung von der Schlachtjahrzeit zur Schlachtfeier. Nach einer wechselvollen Geschichte der Feier wurde 1940 durch den Schwyzer Regierungsrat beschlossen, die Schlachtfeier alle fünf Jahre mit einer offiziellen Abordnung zu beschicken. Heute geschieht dies jedes Jahr. 1940 wurde auch erstmals der von P. Rudolf Henggeler verfasste Schlachtbrief verlesen.

Vor einigen Jahren wurde die Schlachtfeier gestrafft und der Gedächtnischarakter wieder verstärkt. Der feierliche Zug vom Dorf Sattel zur Gedenkstätte in der Schornen bewegt sich auf der alten Strasse, die Kantone Schwyz und Zug sowie das Alte Land Schwyz stellen abwechslungs-weise einen Festredner. Die staatsbürgerliche-politische Besinnung ist angebracht und in unserem auf Tradition und Geschichtsverbundenheit angewiesenen Staatswesen sinnvoll.


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Die heutige Bedeutung des Ereignisses von 1315

Ansprache an der Gedenkfeier vom 15. November 2004
Dr. Martin Michel, Lachen - Kantonsratspräsident Kanton Schwyz

Hochwürdige Herren
Geschätzte Räte und Richter der Stände Zug und Schwyz
Geschätzte Repräsentanten des Militärs und der Verwaltung
Liebe Gäste aus dem Kanton Glarus
Sehr verehrte Damen und Herren

I. Einleitung

Am Tage vor St. Othmar treffen sich jedes Jahr die Leute von Schwyz und Zug am Morgarten, um der Schlacht von 1315 zu gedenken. Sie stellen diese Schlachtfeier mit einem Gottesdienst unter das Patronat des Allmächtigen. Sie erinnern sich der verstorbenen Helden und ihrer Ideale. Und sie wagen einen Ausblick auf die bevorstehenden Händel unserer modernen Eidgenossenschaft.
Nicht selten gelingt mit diesem Anlass ein treffender Vergleich zwischen den denkwürdigen Ereignissen von damals und den anstehenden Herausforderungen von heute. Nicht selten sind die eindrücklichen Erfahrungen dieses Gedenkens Motivation und Anstoss zu neuen Ideen und Taten. Und daher lohnt es sich in jedem Fall, an dieser Morgarten Schlachtfeier festzuhalten und teilzunehmen. Es ist mir eine grosse Freude mit Ihnen allen zusammen hier am Morgarten diese Gedenkfeier zu begehen.

II. Morgarten

Die Meinungen über die Schlacht am Morgarten und die Erkenntnisse über dieses einschneidende Ereignis der frühen Geschichte der Eidgenossenschaft gehen bekanntlich weit auseinander.
Je nach der Schilderungen der Lehrer ist "Morgarten" :
Ein eidgenössischer Freiheitskampf erster Güte oder ein gemeiner Hinterhalt gegen die Staatsmacht.
Ein Sprengen der obrigkeitlichen Fesseln oder eine Vereitelung einer provozierten Strafaktion.
Ein denkwürdiger Heldenkampf oder ein sinnloses Gemetzel.
Bei genauerer Betrachtung wird schnell klar, dass die Ursachen und die Motivation zu dieser Schlacht nicht ein besonderes Ruhmesblatt der alten Eidgenossen wiedergeben. Auch wird die politische und militärische Bedeutung der Schlacht gemeinhin überschätzt. Die Schlacht selber, das Zusammenstehen der Eidgenossen, der Vollzug des 1 .Bundesbriefes und das Halten der geschworenen Bundestreue verdient hingegen grosse Beachtung und Respekt.

III. Lehren aus Morgarten

Deshalb ist Morgarten für die Eidgenossenschaft ein wichtiges Datum, ein bedeutendes Ereignis, ein merkwürdiges Zusammenstehen.
Die Eidgenossen am Morgarten überzeugten durch fünf entscheidende Merkmale. Fünf Merkmale, die meines Erachtens auch heute noch Gültigkeit haben.

  1. Die Eidgenossen haben nicht abgewartet. Sie haben sich nicht zurückgelehnt. Sie sind bereit gewesen, etwas zu leisten, etwas zu bewegen und ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.
  2. Die Eidgenossen sind nicht im alten Denken verharrt und haben nicht an den bestehenden Strukturen festgehalten. Sie sind aufgebrochen, etwas Neues zu schaffen und haben das Ungewisse in Kauf genommen.
  3. Die Eidgenossen haben nicht auf eine falsche, persönliche Sicherheit gesetzt. Sie haben nicht danach getrachtet, das Bestehende zu wahren. Sie haben gewagt, ein Risiko einzugehen und selbst ihr Hab und Gut sowie ihr Leben zu opfern.
  4. Die Eidgenossen haben nicht die Macht der anderen gefürchtet.Sie haben sich auf ihre eigene Stärke besonnen und haben die Vorteile ihres Umfeldes und ihres Könnens genutzt.
  5. Die Eidgenossen haben nicht an ihren eigenen, persönlichen Vorteil gedacht. Sie haben sich zusammengeschlossen und gemeinsam für alle gekämpft. Gemeinsam haben sie ein Ziel verfolgt und gemeinsam haben sie das Ziel auch erreicht.

Diese fünf Merkmale machen für uns den bemerkenswerten Geist von Morgarten aus:

  • Leistung erbringen
  • Neues anstreben
  • Risiken eingehen
  • auf eigene Stärken vertrauen und vor allem
  • zusammen schaffen.

Diese fünf Grundsätze sind das eigentlich Heldenhafte an der Schlacht von Morgarten. Diese fünf Denkweisen sollten uns auch heute anspornen, die Gefahren unserer Zeit und die heutigen Herausforderungen anzugehen und zu meistern. Aber allzu oft müssen wir heute in Politik und Armee, in Kirche und Kultur, in Wissenschaft und Wirtschaft erkennen, dass wir jungen Eidgenossen herzlich wenig bereit sind, Eigenleistung und Selbstverantwortung zu zeigen. Unser Verharren an alten Positionen und Ideen versperrt uns oftmals den Weg, zu neuen Taten aufzubrechen. Wir sind häufig zu bequem, etwas Bestehendes, selbst Fragwürdiges, aufzugeben. Wir zieren uns, ein Risiko für etwas noch Unbekanntes einzugehen. Viel zu viel lassen wir uns von den Andern und vom Unbekannten beeindrucken und zurückdrängen, statt uns auf unsere eigene Stärke zu besinnen. Die vorgespielte Macht der anderen beeindruckt uns oft mehr, als unsere eigenen, soliden Fähigkeiten und unsere eigene, lautere Absicht. Und vor allem hindern uns unser Neid und unsere Missgunst am Ziehen am gleichen Seil. Unser Streben nach eigenem Vorteil lähmt uns immer mehr, zusammen etwas für die Gemeinschaft zu schaffen.

IV. Aufruf und Schluss

Morgarten und die heutige Schlachtfeier soll uns wieder einmal ganz bewusst vor Augen führen, wie wir besser handeln sollen. Unsere Vorfahren haben in Morgarten mit Leistung, Risiko, Erneuerungswillen, Selbstbewusstsein und gemeinsamem Handeln einen legendären Sieg errungen.
Lernen wir von ihnen. Eifern wir ihnen und ihren Idealen wieder nach. Und auch wir werden wieder lernen:

  • Schwierigkeiten zu überwinden
  • Niederlagen zu verkraften und
  • Siege für uns und unsere Gemeinschaft zu erringen.

Dieses Morgarten bietet uns heute die Gelegenheit. Nützen wir das heutige Zusammensein von Bürgern und Politiker, von Militär und Geistlichkeit aus den verschiedenen eidgenössischen Ständen.
Fangen wir heute, im ungezwungenen Gespräch an, unsere gemeinsame Zukunft zusammen zu gestalten.

Ich wünsche Ihnen eine ereignisreiche Gedenkfeier und einen angenehmen Aufenthalt in Morgarten und Sattel.


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Der Schlachtbrief

Andächtige in Christo dem Herrn versammelte!

Uf hüt begeht man Jahreszeit und Gedächtnis aller redlichen Eidgenossen, unserer lieben Altfordern, so zur Errettung des Vaterlandes, Vertreibung der Tyrannei, und wohlher- gebrachten freyen Standes willen, männlich ihr Lyb und Leben dargesetzt und ihr Blut ritterlich vergossen haben.

Jnsonderheit ist zu wüssen, dass in dem Jahr, als man zählt nach der Geburt Christi unseres Herrn und Seligmachers dryzehnhundert und fünfzehn Jahr, am nächsten Samstag nach sant Martis Tag, sich die Herrschaft von Österreich erhoben hat, mit grossem Zug diese Landschaft Schwyz zu überfallen und unter ihr Gewalt zu bringen: und zog für Egeri uf an den Morgarten, da sie vermeinten, in das Land zu kommen.

Also wurden die Landlüt gewarnet zu Arth an der Letzy durch einen Herren von Hünenberg, der die Warnig an einen Pfyl gab geschrieben: Also wheret am Morgarten. Uf das zogen unsere Landlüt dahin und sind ihnen die von Unterwalden mit dryhundert Mannen zuzogen und die von Uri desglychen und hand sie mit der Hilf Gottes ihre Fynd tapferlich überwunden und geschlagen, und in den See und für Wil-Egeri niden gejagt.

Und sind umkommen von den unseren sieben Mann, deren Namen man nicht kennt, die aber Gott wohl weiss, von Uri aber fünf Mann, als da waren Herr Heinrich von Hospental, Ritter Kuonrad von Beroldingen, Rüedi Fürst, Kuonrad Löry und Welty Semann, von Unterwalden aber Heini Wipfly und Peter im Dorf von Stans: von den Fynden aber wurden fünfzehnhundert Reisig erschlagen und dryhundert und fünfzig Sättel gelärt des Adels.

Unsere liebe Frau und alle andern Heiligen Gottes helfet uns anruoffen und bitten, dass Gott der almächtige, das liebe Vaterland vor allen Fynden behüete und alles, was uns nutz und wohl kumbt zu Seel und Lyb gnediglich beschütze und den biderben Sinn unserer Altfordern in uns bewahre.

Gott der Allmächtige aber möge solcher und aller derjenigen Seelen gnädig sin, so um der Er Gottes, Erhaltung des christlichen Glaubens und um gemeiner Eidgenossenschaft Nutz und Heil willen in fremden und eigenen Kriegen umkommen sind, deren Namen Gott allein weiss. Diesen und allen christgläubigen Seelen zu Trost und Hilf lasset uns beten fünf andächtige Vater unser und Ave Maria und das beschliessen mit dem heiligen christlichen Glauben.


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Das Morgartenschiessen 300 m

Gründung:
Unter dem Protektorat der Stadtschützen Zug wurde 1912 der "Morgarten- Schützenverband" gegründet und als durchführendes Organ des Schiessens eine 7-köpfige "Morgarten-Komission" gebildet. Der Vizepräsident wird jeweils von den ausserkantonalen Sektionen, als ihr Vertreter, gewählt.

Zweck:
Paragraph 2) der Statuten des Morgarten- Schützenverbandes mit Sitz in Zug umschreibt ihn wie folgt: "Zur Erinnerung an die erste Freiheitsschlacht am Morgarten und um freundeidgenössische Kameradschaft zu pflegen, wird alljährlich am 15. November, am historischen Gedenktage, das Morgartenschiessen abgehalten. Dasselbe hat auf dem Denkmalplatze oder in dessen unmittelbarer Nähe stattzufinden."

Entwicklung:
Der Verband setzt sich zusammen aus Schützengesellschaften des Kantons Zug und solchen der übrigen Kantone. Heute gehören 10 zugerische und 70 Sektionen aus andern Kantonen der deutschen und italienischen Schweiz dem Verband an. Die wachsende Bedeutung und Beliebtheit des Morgartenschiessens geht aus folgender Teilnehmerzahl hervor:

1912: 204 Schützen aus 9 zuger - und 8 ausserkantonalen Sektionen

1937: 720 Schützen aus 66 Sektionen (25-Jahr-Jubiläum)

1962: 1250 Schützen aus 80 Sektionen (50-Jahrfeier)

Schiessprogramm:

  • 1912: 12 Mann pro Sektion. 15 Schüsse auf Scheibe A 5er, (1,1,3,5,5 Schüsse)
  • 1914: 8-12 Mann pro Gruppe. 10 Schüsse auf Scheibe B 4er, 1 Schuss gezeigt, 9 Schüsse in 5 Minuten.
  • Seit 1916 kann jede Sektion max. 2 Gruppen ä 10 Mann stellen. Schusszahl 10. Mehrmalige Zeitbedingte und zeitgemässe Programmänderungen im Laufe der Jahre. Seit 1960 unverändert: 10 Schüsse a/Scheibe A 5er, 1 in 1 Minute, 3 in 1 Minute, 6 in 2 Minuten.

Es darf kein "Preisschiessen" sein:
Wie das "Rütli"-, "Neuenegg"-, "St. Jakobs"- und andere historische Gedenkschiessen darf auch das Morgartenschiessen nie zu einem Preisschiessen ausarten. Neben 7 Sektionskränzen erhält der beste Schütze jeder Gruppe den silbernen Morgartenbecher. Wenn er ihn schon besitzt, erhält der zweitbeste oder Dritte u.s.f. den Becher. So kommt es vielfach vor, dass in den Sektionen sich 10 treue Kameraden zusammentun, um 10 Jahre lang auf eigene Kosten ihre Sektion zu vertreten, um damit für alle 10 Kameraden den begehrten einmaligen Morgartenbecher zu erkämpfen. Das höchste Einzelresultat ergibt den "Morgarten Meisterschützen" und nur 1% der besten Schützen wird mit dem Kranzabzeichen ausgezeichnet. Die Sektion mit dem höchsten Gruppenresultat erhält die Morgarten - Standarte und die beste zugerische Gruppe den vor Jahren von ehemaligen Kommissionsmitgliedern gestifteten Morgarten- Wanderbecher für ein Jahr in treue Obhut.

Patriotische Feier
Nach Schluss des Schiessens findet jeweils ca. 15.30 Uhr in der grossen Morgartenhalle die "Morgarten - Schützengemeinde" statt. Nach Behandlung der statut. Geschäfte wird die patriotische, zeitgemässe Ansprache stets von prominenten Persönlichkeiten unserer obersten eidgenössischen oder kantonalen Behörden oder hohen Vertretern unserer Armee gehalten. Anschliessend erfolgt die Rangverkündigung vom Schiessen und mit dem Singen des Schweizerpsalms geht die Feier zu Ende.

Unmittelbar darauf entschwindet die grosse Schützenschar nach allen Richtungen heimwärts, um im Kreise lieber Kameraden daheim noch den Morgartentag gebührend zu feiern.


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Das Morgarten-Pistolenschiessen

Ziel und Zweck:

  1. Die Helden von Morgarten- durch den ausserdienstlichen Einsatz im Schlachtgelände zu ehren.
  2. Für eine aktive Landesverteidigung opferfreudig Zeugnis abzulegen.
  3. Den von Obligatorium befreiten Pistolenschützen eine vaterländischsportliche Einsatzmöglichkeit zu geben.
  4. Ergänzung zum traditionellen 300 Morgarten-Schiessen.

Anlässlich der 650-Jahrfeier der Schlacht am Morgarten wird, durch die Pistolensektion des Unteroffiziersverein Schwyz organisiert, zum 9. Mal das Hist. Morgarten- Pistolenschiessen durchgeführt. Erstmals im Jahre 1957 mit 437 Schützen, anno 1964 schon auf 1258 Schützen angewachsen, nimmt dieser einfache, streng feldmässig durchgeführte Anlass an Interesse und Bedeutung ständig zu.

  • Schiessplatz: Nähe der Schlachtkapelle auf der Schornen/Sattel
  • Zielhang: Figlenfluh (anno 1315 Kommandoposten von Landammann Stauffacher)
  • Distanz: 50 m
  • Schiessprogramm: 85 Scheiben Feldscheibe F (Morgarten_Pistolen-Scheibe)
  • Schusszahl: 12
    2 Schüsse in 30 Sekunden,
    4 Schüsse in 60 Sekunden, 6 Schüsse in 60 Sekunden
  • Schiesszeit: jeweils am 15. November von 08.30 - 15.00 Uhr.

Auszeichnungen:
- Die Bundesgabe (1 Armeepistole) erhält der absolute Meisterschütze (erstmals 1955)
- 2 Wanderstandarten erhalten die besten Sektionen der Stamm- & Gastsektionen
- 4 Wappenscheiben erhalten die je 2 besten Schützen der Stamm- & Gastsektionen
- 1 Medaille erhält der beste Sektionsschütze (pro 8 Mann)
- 1 Morgartenbecher erhalten die Besitzer der Medaille nach 3 Gutschriften.

Das Morgarten-Pistolenschiessen entwickelte sich innert wenig Jahren zum grössten historischen Anlass der Schwyzer Pistolenschützen.

Weitere Infos sind zu finden auf der Website www.psuovsz.ch (Pistolensektion UOV Schwyz).

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